Am Dellplatz finden Freunde des Arthaus ein letztes Programmkino in Duisburg. Dabei hat sich die Geschichte der bewegten Bilder in Duisburg gut entwickelt. Nach den ersten Kinoeröffnungen zu Beginn des 20-Jahrhunderts öffneten im Laufe der Jahrzehnte über 100 Kinos in Duisburg. Eine Zeit lang konnte jeder Duisburger quasi fußläufig einen Kinosaal um die Ecke erreichen. Heute sind von dieser Vielfalt genau zwei Kinostandorte geblieben. Dieser hier am Dellplatz und das Multiplex-Kino am Bahnhof.
Das erste Kino am Dellplatz eröffnete 1949 als klassisches Lichtspielhaus. Später wurde es modernisiert, mit rotem Teppich und goldfarbenen Wänden ausgestattet. Immer wieder fanden hier Premierenveranstaltungen statt. In der 1960er-Jahren trug das Kino den Namen „City“ und Mitte der 1970er-Jahren änderte sich das Programm eine Zeit lang völlig. Damals war in den Räumen zweitweise ein Pornokino zuhause. 1980 zog dann das „filmforum“ ein, dessen Wurzeln allerdings zurück bis 1959 reichen, als die Volkshochschule erste Filmveranstaltungen organisierte. Zehn Jahre später engagierte sich der damals noch junge SPD-Politiker Josef Krings für die Filmkunst und überzeugte den Stadtrat mit einer ungewöhnlichen Methode von dem Bedarf nach einem anderen Programm: Er las das dürftige Kinoprogramm des Tages vor, das damals von Titel wie „Schulmädchen-Report“ bestimmt war. Die Ratsherren stimmten prompt der Gründung eines Kommunalen Kinos zu – es war das erste in ganz Deutschland. Am 27. September 1970 flimmerte zur Premiere der sowjetische Klassiker „Wenn die Kraniche ziehen“ über die Leinwand. Diese Premiere feierte man allerdings damals noch im großen Saal der VHS, bevor das Filmform in das „Studio M“ der damaligen Mercatorhalle zog.
Mit dem Umzug an den Dellplatz begann die eigentliche Erfolgsgeschichte. Aus dem schlichten Programmkino wurde ein lebendiger Kulturort, in dem nicht nur Filme liefen, sondern auch Diskussionen, Vorträge und Reihen das Publikum anregten. Gleichzeitig wuchs ein Filmarchiv heran, das heute rund 11.000 Titel, Plakate, Fotos und Geräte umfasst – von frühen Stummfilmrollen bis zu Schätzen der Duisburger Stadtgeschichte.
2003 kam ein zweiter Saal hinzu, 2021 eine neue Ausstattung. Geblieben ist der besondere Charme: Das Filmforum ist Programmkino, Gedächtnis der Filmgeschichte und Treffpunkt für Cineasten aus der ganzen Region.
Quellen
Selbstdarstellung Filmforum (https://filmforum.de/das-kino/wer-wir-sind/)
WAZ – Vom Kiez zum Szeneviertel in Duisburg, Petra Kuiper (2023)
Alle Kinos – Website (www.allekinos.com/DUISBURGFilmforum.html)
Fotos: T. Gallie
Archivfotos: Stadtarchiv Duisburg