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1987

Graefen

Das Graefen ist eine Duisburger Institution. 1987 als „Cafe Graefen“ eröffnet, wurde es später in den 2000ern in „Das Café – designed by Eckart Graefen“ umbenannt. Den Duisburgern war und ist der Name dabei ziemlich schnuppe. Man ging und geht ins Graefen – und das seit fast 40 Jahren.

Das Graefen wurde 1987 von Uwe Schmitz und Thomas Hoppesack eröffnet. Aktuell ist Stefan Gorican Inhaber des Cafés. Namensgeber war der Duisburger Künstler Eckart Graefen. Der bewegte sich schon lange zuvor in der Duisburger Kunst- und Musikszene. Anfang der Siebziger fotografierte er die Bröselmaschine; 1975 entstanden mehrere Aufnahmen des damals in Deutschland lebenden amerikanischen Komponisten Moondog. Auch an Ausstellungen der Freien Duisburger Künstler war Graefen beteiligt.

Eckart Graefen gestaltete das Café künstlerisch und veränderte über die Jahre immer wieder Details. Der Kern seiner ursprünglichen Gestaltung blieb jedoch erhalten. Die Aquarien etwa prägen das Graefen bis heute. Veranstaltungen wie Lesungen und kleine Konzerte gehören auch zum Konzept. Regelmäßige DJ-Abende gab es eine ganze Weile auch. Der Barracuda Club mit Toto ist dafür ein Beispiel. Der startete im MONO, wechselte dann ins Graefen und fand später auch im Globe statt.

Das Graefen war und ist einer dieser Orte, an denen die unterschiedlichen Duisburger Szenen zwangsläufig zusammenliefen. Irgendwann im Laufe der Nacht landet(e) man dort. Zum Vorglühen, wenn es vielleicht weiter ins Old Daddy, Djäzz oder Goldengrün ging. Zum Absacken, wenn der Gig im HundertMeister zu Ende war. Oder man blieb einfach gleich ganz dort. Alteingesessene Duisburger Szenegänger berichten nicht ohne Gipfelstürmerstolz, dass sie ganze Wochenenden im Graefen versumpfen konnten.

Auch Besucher von außerhalb schleppt man zielsicher ins Graefen, um sie den Glanz und das Elend des Duisburger Nachtlebens spüren zu lassen. Andere Kneipen und Clubs kamen und gingen, das Graefen blieb. Selbst Corona bedeutete nicht das Ende.

In seinen besten Momenten war und ist das Graefen ein Ort der Bohème. Bei Bier und Erdnüssen werden wortreich Bands gegründet und, vom Alkohol befeuert, auch schon mal im Streit gleich wieder aufgelöst. Magazine und Fanzines werden geplant, Romane ersonnen, Drehbücher skizziert und die perfekte Playlist für die perfekte Clubnacht entworfen. Aus manchem Erdachten wird dann was, aus vielem eher nix.

Zum Graefen gehört aber auch das Gefühl des Mangels, das langjährige Duisburger nur zu gut kennen. Während sich in anderen Städten verschiedene Szenen eigene Orte schufen, um sich auszudifferenzieren, ihr Profil zu schärfen oder gar Feindschaften zu pflegen, blieb dafür in Duisburg oft wenig Raum. Im Graefen trafen und treffen sich „alle“, weil der nächtliche exzessive Ritt durch unterschiedlichste Szenelokale mangels Masse einfach ausfällt.

Und so ist das Verhältnis zum Graefen durchaus ambivalent. Neben dem Gefühl des Mangels stehen Verbundenheit und die Dankbarkeit dafür, dass es diesen Ort schon so lange gibt.

Der Autor selbst kennt diese Ambivalenz nur zu genau. Denn nach 15 Jahren Intermezzo in anderen Metropolen kehrte er vor einiger Zeit nach Duisburg zurück. Nachdem die letzte Umzugskiste in die neue Wohnung geschleppt und das Bett für die erste Nacht aufgebaut war, saß er am Abend in der neuen und alten Heimat mit seiner Partnerin im Graefen an der Theke.

P.S.: Das Graefen führt uns noch zu anderen Duisburger Orten, deren Geschichten wir noch nicht erzählt haben. Zum Café Zentral, zum NASA-Club, zum Globe Club. Ihre Geschichten sind mit den Macher*innen des Graefen verwoben. Wir kommen darauf zurück.

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