Ohne Übertreibung kann man das Djäzz als die Herzensangelegenheit der Duisburger Subkultur-Szene in den 2000er Jahren bis zur Schließung im Jahre 2020 bezeichnen. Das Djäzz war ein erstaunlicher Ort, denn er funktionierte, obwohl er eigentlich als privatwirtschaftlicher Club eröffnet wurde, von Anbeginn an wie ein soziokulturelles Zentrum. Dabei wurde das Djäzz in keiner Weise durch öffentliche Gelder gefördert! Die Betreiber, zuerst Can Ulucan, dann Ercan Ulucan, zuletzt Özcan Ulucan, verstanden das Djäzz als offenen Ort für Aktivisten*innen, die dort das Programm gestalten durften. Langjährig begleitet wurden sie dabei von Sascha Bertoncin, der das Booking im Djäzz als Veranstalter oder Koordinator betreute.
Diese Herangehensweise führte zu einer großen Bandbreite des Programms. Lesungen, Filmvorführungen, politische Veranstaltungen, Konzerte, Partys, es war alles da. Bei den Konzerten gab es stilistisch keine Einschränkungen. Im Djäzz war Platz für Flamenco, experimentelle Musik, Noise-Attacken, Hip Hop, Punk und vieles mehr. Dabei gab es in der Regel einen einfachen Deal für die Veranstalter: Getränkeeinnahmen fürs Djäzz, Eintritt für die auftretenden Acts. Dies ohne Erwartungen an einen großartigen Gewinn, der mit Konzerten zu machen wäre. Ganz im Sinne der DIY-Ethik. Dokumentiert sind mehr als 500 Gigs. Darunter auch Acts, die später „groß wurden“ und im Djäzz noch in einem intimen Rahmen bewundert werden konnten. Der Club strahlte dank dieses Bookings weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Eine besondere Erwähnung ist die Konter-Box wert. Ein Format, welches zwei Bands auf gegenüberliegenden Bühnen gegeneinander abwechselnd antreten ließ und von den Macher*innen des Onkel Stereo veranstaltet wurde. Die Konkurrenz zwischen den Bands, auch in Form von Beleidigungen, war dabei ausdrücklich erwünscht. Im Rahmen dieser denkwürdigen Abende traten so zum Beispiel im Januar 2011 EA80 gegen Eisenpimmel an.
Das Djäzz beherbergte zahlreiche Partyreihen. Muskator & Pong, Monkey Cave 60’s Club, London Calling, Beat Express, Burn the City sind einige davon. Häufig legte auch Till Steinebach unter seinen zahlreichen Aliassen auf.
Erfolgreiche Partyreihen an den Wochenenden halfen, das ambitionierte Kulturprogramm aufrechtzuerhalten. Diese Partys waren der „Brotjob“, der den Betreibern ein Einkommen und die Deckung der laufenden Kosten für den Betrieb sicherte.
Wenig überraschend hatte das Djäzz immer wieder mit Anwohnerbeschwerden wegen Lärms zu kämpfen, was zu einer Einschränkung der Öffnungszeiten führte. Im Januar 2011 untersagte das Ordnungsamt dem Djäzz länger als bis 1:00 Uhr zu öffnen. In einem langen Konflikt, der von zahlreichen Solidaritätsbekundungen und sogar Demonstrationen mit bis zu 500 Teilnehmer begleitet wurde, erreichte das Djäzz zumindest für einzelne Tage eine Ausweitung der Öffnungszeiten auf die ursprünglichen 5:00 Uhr am Wochenende. Dies war für die Finanzierung auch dringend erforderlich, denn finanzielle Sorgen waren ein ständiger Begleiter der Betreiber.
Das Djäzz schloss im Dezember 2020 fast leise seine Pforten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie konnten durch den letzten Betreiber nicht gestemmt werden. Ihm erging es damit wie vielen Club-Betreibern bundesweit.