In der Blütezeit konnte man im „Daddy“ seine Jugend verschwenden, wenn man es denn wollte. Und viele Duisburger*innen wollten es so. Besucher*innen von damals erinnern sich in der Nachschau fast mit Erschrecken daran, wie oft sie in der Woche im Old Daddy landeten. Die Disco lockte am Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und auch Sonntag mit einer Musikauswahl, die rückblickend als „Indie Disco“ zusammengefasst werden kann. Die DJs wurden zum Teil aus Plattenläden wie dem Far Out oder dem Garageland rekrutiert.
Ein kurzer Versuch, in einen Mittwoch Mitte der Achtzigerjahre im Daddy einzutauchen. Mittwoch war „Wave-Tag“. Der metallene Tanzboden, wenig Lichteffekte, der Kopf leicht zur Seite geneigt, die Tanzschritte sparsam, ein Fuß vor und zurück, vor und zurück. Zu einem Text kann man nicht tanzen, aber … Boys don’t cry … No tears for the creatures of the night … Following the footsteps of a rag doll dance we are entranced, Spellbound … Love will tear us apart … In the temple of love … Paul ist tot, kein Freispiel drin … so ungefähr hörte und fühlte sich das an einem typischen Mittwoch an.
Das Old Daddy bot Jugend- bzw. Subkulturen einen Heimathafen. Punks, Skins, Waver, Goths und später auch Psychobillies waren hier willkommene Gäste. Auch englische Soldaten, die in der Kaserne in Wanheimerort ihren Dienst verrichteten, wurden häufiger gesichtet.
Das Aufeinanderprallen von Subkulturen mit ausgeprägten Abgrenzungswillen verlief dabei nicht immer stressfrei. Im Regelfall blieb es aber ausgesprochen friedlich. Auch ein Verdienst des Thekenpersonals. Besucher*innen können sich sehr gut daran erinnern, wie das Thekenpersonal in sekundenschnelle über die Theken hüpfen konnte, um Handgreiflichkeiten im Keim zu ersticken.
Das Old Daddy etablierte sich auch als sehr wichtiger Ort für Live-Konzerte. Sicherlich ein Verdienst des damaligen Geschäftsführers Rolf Stanietzki, der Enthusiast*innen ohne nennenswerte Hindernisse die Möglichkeiten gab, Konzerte im Daddy zu organisieren.
Willi Wucher konnte so dort jahrelang seine Konzertreihe „Scumfuck Punk Festival“ veranstalten. Magazine wie POPNOISE und OVAL brachten ihre Showcases auf die Bühne. Andere Aktivist*innen sorgten dafür, dass amerikanische Bands von damals und auch heute noch hochgehandelten Labels wie Dischord Records, Homestead Records, SST und Sub Pop ihren Weg in den Keller nach Duisburg fanden.
Nur ein paar illustre Beispiele: Mudhoney, Lemonheads, Screaming Trees, Shudder to think, Naked Raygun, Bastro, Das Damen, Yo La Tengo … Duisburg war so für Augenblicke tatsächlich am Puls der Zeit. Selbst ein echter Rockstar von Stadionformat, Dave Grohl, trat dereinst im Duisburger Daddy auf. Ein paar Jahre bevor es mit Nirvana losging – noch minderjährig – als Drummer der Washingtoner Band Scream. Wenn man gut aufpasst, kann man Schnipsel dieses Gigs im Kinofilm „Salad Days“ aus dem Jahre 2014 entdecken.
Später machte das Old Daddy unter neuer Führung dann als „Kultkeller“ und „Daddy Duisburg“ weiter. Heute befindet sich das „viersieben“ auf der Steinischen Gasse.