Die Vorgeschichte des soziokulturellen Zentrums Stapeltor, das 2019 eröffnet wurde, bietet deja-vu-Erlebnisse. Wie nach der Eschhaus- Schließung (1987) bedurfte es auch 25 Jahre später und diesmal nach dem Aus des HundertMeisters (2011) viele Jahre engagierter Überzeugungsarbeit, um Duisburg zurück auf die Karte der soziokulturellen Zentren NRWs zu holen.
Erneut dachten die Kreativen auch an die Alte Feuerwache in Hochfeld als Standort, die mal wieder Jahre leer stand. Erneut war ein großer Zusammenschluss verschiedenster Initiativen und viel Geduld nötig, um zum Ziel zu kommen.
Unter dem Titel „Du erhält(st) Kultur“ bündelten sich Aktive von „Du it yourself“ (T5), „Mustermensch“ (Syntopia), dem Team vom Ladenlokal 47 aus „B.Neighbours“, „Refugee Support“ der UDE und Soundsalat, den Ruhrortern rund ums Lokal Harmonie und dem Kultursprung e.V..
Man nahm Kontakt zur LAG Soziokultur auf, entwarf Konzepte, organisierte Demos, Ausstellungen und Diskussionen, schrieb am neu aufgelegten Kulturentwicklungsplan 2016 in vielen Sitzungen mit, der einen Paradigmenwechsel versprach und die Bedeutung soziokultureller Angebote erstmals betonte.
2019 nahm das Team mit der Hoffnung „Ermöglichen ermöglichen“ an den 40. Duisburger Akzenten teil und erhielt von Kulturdezernenten Krützberg den Hinweis, „sehr nah dran zu sein“. Trotz der vorherigen Erklärung, dass die Feuerwache nun endgültig rein kommerziell verplant wurde.
Denn der Privat-Investor Christian Otto bot Teile seiner Immobilie mietgünstig an. 850 m2 auf zwei Etagen, leicht renovierungsbedürftig. Das Stapeltor 6.
Dann ging alles recht flott – nicht nur für Duisburger Verhältnisse. Der Rat entschied im November 2019 das Projekt zu fördern – zunächst probehalber für ein Jahr. Beim Umbau – zunächst von Stapeltief (Saal mit Platz für 199 Personen), später auch vom Obergeschoss – zeigte sich schon der Spirit des Hauses. Viel geschah in Eigenregie, wobei alle Duisburger über soziale Medien zur Mitarbeit eingeladen, Fortschritte gepostet, Bedarfe konkret ausgeschrieben wurden.
Und so versteht sich das Stapeltor auch unter seiner aktuellen Leitung noch Heute, vor allem als Einladung, mitzugestalten:
„Das Stapeltor ist ein offener, unkommerzieller und selbstorganisierter Freiraum. Ein Zentrum für vielfältige Veranstaltungen und Angebote – und ein Raum für die Umsetzung deiner Ideen. […]
Gemeinsam wollen wir Konzepte für kulturelle Bildung und solidarische Stadtteilarbeit entwickeln und für lokale Künstler*innen, Nachbar*innen und Aktivist*innen ein Zuhause werden.
Das Stapeltor versteht sich als emanzipatorisch und egalitär. Das heißt, wir positionieren uns aktiv gegen jede Form der Diskriminierung und engagieren uns für soziale, ökologische und ökonomische Gerechtigkeit.
Bildung ist mehr als Schule – Kultur ist mehr als Konsum. Im Stapeltor steht das Selbermachen im Vordergrund.
Bist du neugierig geworden? Dann komm doch mal vorbei!“ (Stapeltor-Info „Über uns“)
Zum festen Programm gehören Kneipen-Abende, Workspaces, Konzerte und Partys. Laut darf es im Haus allerdings nicht so häufig noch später als 22 Uhr sein, da der Gebäudekomplex auch viele „normale“ Mieter aufweist und die Nachtruhe in aller Regel einzuhalten ist.
Noch ein Handicap: der städtische Etat in Höhe von 100.00 € (beim HundertMeister waren es 2011 noch 120.000€) deckt nur zur Hälfte die Fixkosten.